Es hat einfach (fast) alles gepasst bei dieser Prunksitzung: wunderbare Tänze, darunter ein meisterliches Männerballett, kabarettistische Einlagen, ein gut gelauntes Prinzenpaar und eine witzige Moderation. Das einzige, was der Gredinger Faschingsgesellschaft an diesem Abend im eigenen Saal fehlte, war ausgerechnet die Aufführung ihrer eigenen Showtanzgruppe. Doch Oberbayern halfen den Franken aus dem Dilemma.
Das hatte sich Katrin Huber als neue Vorsitzende der Gredonia sicher anders vorgestellt. Doch da rund zwei Drittel der neu formierten Gruppe, die gerade erst ihre zweite Session erlebt, krankheitsbedingt ausfällt, bleibt nichts anderes als eine Absage der Darbietung, eigentlich als besonderer Höhepunkt im finalen Showblock gedacht. Doch die Show muss weitergehen, oder besser gesagt – erst einmal beginnen. Und das schafft sie auf fulminante Art.
Denn wie es eigentlich schon Tradition ist, stürmen als erstes die Allersberger „Flecklashexen“ auf die etwa ein Meter hohe Bühne. Ein Kellner mit Bier in der Hand kann gerade noch ausweichen. Die Treppe braucht da keiner. Die Bienen, die sich da unter den Kostümen auszutoben scheinen, haben auch am Ziel keine Gnade. Stürmischer geht es nicht. „Ein mitreißender und spektakulärer Auftritt“, ist auch Gredonia-Präsident Alexander Hill begeistert. Tradition haben auch die „politischen Ämter“ zu Prunksitzungszeiten: Der „Faschingsbürgermeister“ heißt hier Oswald Brigl und der „Faschingslandrat“ Herbert Eckstein – eventuelle Neuwahlen sind da völlig egal.
Doch vor den beiden Herren hat die Jugend ihr Recht: Die jüngste Gruppe, nämlich die der „Strolche“, toben als Feen und Kobolde durch den Saal, während die Kindergarde sich dem Thema Zeit widmet. Vom Uhrmechanik- wechseln sie übergangslos in den wilden Rock‘n‘Roll-Modus, dass es nur so eine Freude ist.
Die Junioren- und erst recht die Prinzengarde lassen ahnen, dass es nun gleich so richtig offiziell wird. Und richtig: Das bisherige Prinzenpaar darf nun abtreten und so winken Richard II und Bettina I. zum letzten Mal mit dem Zepter. Für das neue Paar, Marco I (Kapfenberger ) und Elena I (Mader) marschieren sogleich die Prinzengarde und die gesundgebliebenen Teile der Showtanzgruppe auf, von denen ein Mitglied fast schon symbolträchtig „die Flügel hängen lässt“, wie Hill verräterisch kommentiert. Während die scheidenden Hoheiten eine „kurze und knackige Session“ gefeiert haben, ist es für die neuen Tollitäten eine recht lange. Für die ihnen die Vorgänger Mut zusprechen: „Ihr seid einfach die Schau! Gredonia Helau!“
Fehlt bloß noch der Rathausschlüssel. Den erobern sich in gewohnt brachialer Manier die „Pumpernickel“, die Brigl ohne zu zögern fesseln und auf die Bühne schleifen. „Ich gebe ihn Euch doch freiwillig“, beteuert der Malträtierte. „Da ist der Schlüssel in guten Händen. Aber es wäre gut, wenn sich das Paar auch um die Finanzen der Stadt kümmern würde“, gibt er den beiden mit auf deren Regentschaft. In ihrer Rede haben sie auch gleich recht griffige Vorschläge, aber nicht so ohne manchen Seitenhieb. „Wir legen in unseren sechs Wochen mehr Aktivitäten an den Tag als die deutsche Glasfaser in drei Jahren“ kommentieren sie den mehr als zögerlichen Breitbandausbau. Den Stadtratsmitgliedern bieten sie neue Chauffeursjobs und empfehlen zudem, das neue Altenheim gleich in das neue Gewerbegebiet zu verlegen. „Dann können die Senioren über die zwei Millionen teure Kreisstraße den Berg mit dem E-Rollator erklimmen!“ Bei der anstehenden Bundestagswahl empfiehlt das Prinzenpaar „einen Faschingszug durch die Wahllokale und die Stimme nach dem Spickerprinzip abzugeben.“ Ein recht flotter Prinzenwalzer wird mit einer Konfettikanone belohnt, die sich verzielt. „Direkt rein ins Bier, aber so bleibt die Bühne sauber!“ schmunzelt Hill.
Etwas durchschnaufen können alle während Lisa Greiner, Stefan Greiner, Elfriede Mayinger und Dominik Pillmayer zu neuen Senatoren ernannt werden. Ein solcher ist Josef Schneider schon lange gewesen – bei der Prunksitzung wird er sogar zum Ehrensenator befördert. Ehrenpräsident Egon Reinhard hat indes viel über das Alter zu klagen, beim Gang zur Wahl-Urne befürchtet er schon das schlimmste. Nach seiner guten alten Kaplanszeit „im Gredinger Faschingsparadies“ sehnt sich Pillmayer zurück. Der „dry january“ in Altdorf will ihn nicht schmecken, lieber schenkt er munter Sekt im Gredoniasaal aus. Ein zweifelhaftes Kompliment für Reinhard hat Eckstein parat – endlich gebe es mal jemand, dessen Witze auch so wenig verstanden würden wie die eigenen.
Rebecca Mies glänzt gleich mit mehreren Mitstreiterinnen bei einem Tanzmariechen-Medley, bevor die Piratinnen der Teeniegarde mit ihren Totenkopffähnchen für richtigen Wind sorgen. Das Tanzduo mit Emelie und Leonie spielt den Einheizer für Kabarettist Sven Bach, der von den wilden Mopedfahrten in der Jugendzeit erzählt. Einmal sei er von der Polizei mit dem Kommentar aufgehalten worden: „Zu fünft auf einem Moped?“ Bach darauf geschockt: „Wir haben den Herbert Eckstein verloren!“ Von Reinhard will Bach wissen, ob er nun endlich in der fränkischen Sprache zu Hause sei. Die Antwort: „Das ist wie mit meiner Frau – ich liebe sie, aber ich beherrsche sie nicht!“
Eine „Fremdsprache“ dürfen die Gredinger von den Treuchtlinger Narren lernen, die seit den Hippodromzeiten bei der Prunksitzung dabei sind: „A-Ha“ schallt es so statt „Helau“ durch den Saal. Den weitesten Weg hat übrigens der Weidener Hofstaat auf sich genommen. Oder doch Bauchredner „Marcelini“ (Markus Geuß), der sich von Hundepuppe (frech wie) Oskar frivol beleidigen lässt: „Der Bauch meines Herrchens ist das Dach für sein arbeitsloses Würmchen!“
Dann ist es Zeit für absolute Hochkaräter: Den dritten Block beginnt die Prinzengarde des RCV Roth und krönt die die Bayerische Meistertruppe der „Wiesentheider Gentlemen“, die Götterbote Hermes dem Olymp Adieu sagen und ein eigenes Versandunternehmen gründen lassen. Zwischen beiden Gruppen füllen die Showtänzer der „Germanica Kösching“ die schmerzlich Lücke, die durch ihre erkrankten Gredonia-Kollegen sonst entstanden wäre. Ein tolles Zeichen närrischer Solidarität! Sind die Oberbayern direkt nach einem Auftritt nach Greding enteilt.
Die Stimmung ist von Anfang an prächtig: „Der Saal ist proppenvoll“, freut sich FG-Präsident und Moderator Alexander Hill. Für mächtig Wind sorgen gleich zum Einstieg die „Allersberger Flecklashexen“, die auf der Bühne herumwirbeln. Dann folgt die Gredonia: mit ihrem kompletten Programm. Den Anfang machen die „Strolche“. Beeindruckend, was hier in jungem Alter etwa schon an Rädern geschlagen wird. Thematisch lebt hier der wilde Westen auf, in die Zeit des Lollipop entführt indes die „Bambinigarde“ – wie alle Gruppen in bezaubernden Outfits.
Seine Tollität Richard II. ist ein Wiederholungstäter
Frenetisch begrüßt wird das neue Prinzenpaar, seine Tollität Richard II. und ihre Lieblichkeit Bettina I. Für sie ist es eine ganz neue Erfahrung – er hingegen ist im Jahr 2000 schon einmal Prinz gewesen und damit ein Wiederholungstäter. Nun reißt er das Zepter in die Höhe: „Hier ist das Ding!“ ruft er und freut sich auf seine zweite, wenn auch „kurz und knackige“ Amtszeit.
Pumpernickel fesseln den Vizebürgermeister
Die kann aber erst beginnen, wenn der Rathausschlüssel übergeben ist. Weswegen Hill die „Pumpernickel“ auf Vizebürgermeister Oswald Brigl loslässt, die ihn fesseln und auf die Bühne zerren. Es mag zwar Zweifel am neuen Königspaar in Dänemark geben, betont Brigl – „aber nicht daran, dass das Gredinger Prinzenpaar die Stadt würdig repräsentieren und regieren wird“. Die beiden haben sich einiges vorgenommen: So soll die Energie des sich schnell aufheizenden Kinderfreibeckens im Freizeitbad ins Nahwärmenetz eingespeist werden. Außerdem sei Greding auf dem Weg zur „Sechs-Ämter-Stadt“ und so winke ein lukrativer Sponsorenvertrag mit einem Likörhersteller. Im Regierungsviertel soll eine Brauerei gegründet werden, mit einem Bräustüberl namens „Zum Proischl“.
Pfarrer Dominik Pillmayer, einst Kaplan in Greding, warnt als „Ehrenmützenträger“ kurz darauf aber, dass Klimakleber im Stüberl, vorm Metzger oder gar auf der Bühne vieles zunichte machen könnten.
Bund Deutscher Karneval ehrt Egon Reinhard
Großen Applaus gibt es, als Ehrenpräsident Egon Reinhard den Verdienstorden des Bunds Deutscher Karneval (BDK) in Gold aus den Händen von Markus Weißmann (Fastnachtsverband Franken) erhält. Reinhard habe als Gründungsmitglied die Gredonia zu dem gemacht, was sie heute sei. Auch den Bau des Vereinsheim habe Reinhard erst ermöglicht. Über das gleiche Abzeichen – in Silber – darf sich Robert Kratzer freuen, der sich unter anderem als Prinz, im Elferrat und um die Faschingszeitung verdient gemacht hat.
Nach dem Auftritt des Tanzmariechen-Duos mit Emelie und Leonie ist die Teenie-Garde beim Einmarsch unfreiwillig auf Kollisionskurs mit der Kellnerin. Doch die „Astronauten“ sind da ja ganz andere Herausforderungen gewöhnt.
Gstanzlsänger „Bäff“ zeigt ein heißes Höschen
Nach der Juniorengarde steigt Gstanzlsänger Josef „Bäff“ Piendl in die Bütt. Spitzen verteilt er in alle Richtungen: „Wie ein Brigl schaust du aber nicht aus“, witzelt „Bäff“ über den Rathausvize. Der Prinzessin hält er ein heißes Höschen vor die Nase, das farblich verdächtig zu ihrem Kleid passt. Die Prinzengarde darf daraufhin zum Bühnentreffen der Gastgesellschaften überleiten. Von A wie Albanesen bis Z wie Zwiebelonia sind sie alle gekommen. Schnell fliegen die „Funken“ des gleichnamigen Tanzmariechen-Duos mit Elene und Nele, bevor die Gredinger Showtanzgruppe in neuer Formation ihre triumphale Rückkehr ins Faschingstreiben feiert. „Da waren schon bemerkenswerte Schwierigkeitsgrade dabei“, staunt Hill. Danach hat es sogar die närrische Putzfrau Ines Procter schwer, die erst einmal die Glatzen im Publikum minutiös poliert. Sie hat aber nicht immer im Sanitärbereich gearbeitet, sondern auch schon im Theater: „Da habe ich Rollen verteilt.“ Die Gruppe Dance Fire aus Irgertsheim bei Ingolstadt brilliert schließlich kurz nach Mitternacht: als bayerische, deutsche und europäische Meister zeigen sie eindrucksvoll, was alles möglich ist. „Das habt Ihr auf kleiner Bühne großartig gemacht“, befindet schließlich auch Hill.