Greding – ein Freudenhaus

Es gibt einen Sieger – wenn auch mit hauchdünner Mehrheit: Der mögliche Swingerclub in Greding zieht beim diesjährigen Faschingszug die meiste Aufmerksamkeit auf sich. Und liegt damit knapp vor der teuren Residenz des Limburger Bischofs.

 

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„Die letzten Stunden der diesjährigen Kampagne“, wie der Gredonia-Präsident von der Rathausbühne herab verkündete, haben es wahrlich in sich: Heiß geht es her beim Gredinger Faschingszug. Da verdienen sich die Mühltal-Muckis als „Swingerladies“ den Beinamen Mühltal-Schnuckis in ihren kurzen Paillettenkleidchen und Strapsen. Die Kaisinger Vereine benennen das Hippodrom kurzerhand um – jetzt hat der Vergnügungstempel das böse Wort mit F am Anfang in seinem Namen. Doch werben sie für Safer Sex, der Besitzer verteilt sogar Kondome statt Kamelle. Eher sportlich bewertet der TSV Greding das Treiben und zeigt sich als 1. SCG (Swingerclub Greding) – in Anlehnung an den 1. FCN – überzeugt: „Bei uns ist der 3er kein Problem.“

Einem echten Bischof müsste derlei Freizügiges wohl die Schamesröte ins Gesicht treiben; nicht aber den vielen Versionen von Franz-Peter Tebartz-van Elst, dem Limburger Oberhirten, der als sogenannter Protzbischof zu zweifelhaften Ehren gekommen ist. Bei den Gredinger Schäfchen verteilt er das Geld unter den Armen, dass es nur so raucht. Den Landjugendgruppen aus Hausen und Röckenhofen ist das ebenso ein Dorn im Auge wie der Fuchsschwanzgang und Marcus Ziegelmeier aus Titting mit einem eigenen Wagen.
Ob er sich denn nur leisten konnte, weil er Steuern hinterzogen hat? Diesem neudeutschen Phänomen spürt die A-Jugend des Gredinger TSV als Panzerknacker nach. Sie sind heute nicht hinter den Talern von Dagobert Duck her, sondern dem Schweizer Schwarzgeld des Uli Hoeneß. Vielleicht hat der ja einst beim Gredinger Tennisclub vorbeigeschaut und sich dabei die Sinne vernebelt. Denn die Mannen von Grün-Weiß lassen die Hippiezeit wieder aufleben – mit Blümchenhemd und „Gredls letztem Joint“.
Handfest kommunalpolitisch wird es dagegen beim Theaterverein und der Stadtkapelle, die den 77 Gruppen umfassenden Zug anführt. Die Musiker machen sich lustig über den alljährlichen Berlinbesuch einer Gredinger Delegation. Heuer wurde dort vor allem für Urlaub auf dem Bauernhof geworben. Doch gibt es in der ganzen Großgemeinde keinen Hof, der diese Freizeit anbietet: „Wir fragen uns hier: Wo bleibt der Verstand“ Die Mitglieder des Theatervereins haben ganz tief in die Schminkkiste gegriffen und spuken als Geister durch die Altstadt. Doch erschrecken können sie scheinbar niemanden angesichts der vielen Leerstände. Ihr Fazit: „Wir Gredinger Geister haben’s satt.“

Von Volker Luff

Faschingsverein Gredonia Greding e.V.